Wenige Tage nach dem endgültigen Aus des „Alien“-Projekts von Neill Blomkamp bringt Ridley Scott nun seinen dritten Film der Reihe in die Kinos. Die direkte Fortsetzung von „Prometheus“ erzählt nicht nur die Geschichte der Überlebenden weiter. Hat der Altmeister mit Alien Covenant endlich wieder einen guten Film gedreht?

Mit dem ersten Alien schuf Ridley Scott im Jahr 1979 nicht nur einen Klassiker des Horrofilms, sondern auch einen Science-Fiction-Meilenstein. An diesem Film und „Blade Runner“ muss sich Scott seitdem messen lassen und konnte mit Prometheus nicht überzeugen. Macht er es diesmal besser?

Alien Covenant: Die Handlung

Es kommt einem reichlich bekannt vor: Die Crew eines Schiffes, diesmal statt Frachter ein Kolonieschiff, fängt einen Funkspruch von einem Planeten auf, der in der Nähe liegt. Da der Ursprung menschlich zu sein scheint, fliegt die Covenant dorthin, um nachzusehen, woher diese Nachricht stammt. Ein Team um den Captain Oram (Billy Crudup), den ersten Offizier Daniels (Katherine Waterston) und Android Walter (Michael Fassbender), der genauso aussieht wie Prototyp David aus Prometheus, landen auf dem scheinbar idyllischen Planeten. Doch der Friede trügt, schon bald fällt das erste Mitglied des Trupps einem parasitären Organismus zum Opfer. Nach weiteren Toten stoßen die Überlebenden schließlich auf David, der vor zehn Jahren auf dem Planeten gestrandet ist. Und der klärt Daniels und Co. auf, in welchem Albtraum sie gelandet sind …

Wenn das Drehbuch nichts taugt …

Keine Frage, wenn es um die Optik geht, hat Ridley Scott immer noch ein gutes Auge: Raumschiff, Planet und Monster sehen toll und vor allem glaubwürdig aus. Was Scott offenbar verloren ging ist das Auge für ein gutes Drehbuch, denn die Story von Alien Covenant ist ein einziger Schwachpunkt. Pech, dass der manchmal so geniale („Penny Dreadful“, „Hugo Cabret“) und manchmal mäßige („Spectre“, Star Trek:Nemesis“) John Logan hier eines seiner schlechtesten Scripts seit Jahren ablieferte. Auch Jack Paglan und Michael Green, die sich die Story ausdachten, sind mitverantwortlich für das Debakel.

Hauptgrund für dieses Ärgernis sind wie bereits bei Prometheus die strunzdummen Figuren. Bis auf wenige Ausnahmen handeln alle Charaktere in diesem Film ähnlich idiotisch wie die Kollegen vom ersten Schiff. Es scheint im 22. Jahrhundert keine Regeln zu geben, wie man sich auf einem fremden Planeten zu verhalten und wie man im Fall einer Bedrohung zu reagieren hat. Denn was dem Publikum hier von angeblich extra dafür ausgebildeten Spezialisten geboten wird, grenzt an Arbeitsverweigerung. Da haben sich die Frachtermannschaft der Nostromo und die Marines in den beiden ersten Alien-Filmen deutlich klüger verhalten, obwohl wir im zweiten Film lernen, dass es nie einen Kontakt mit Aliens gegeben hatte, von dem die Menschheit wüsste.

Alien Covenant

Blutig, aber nicht gruselig: das neue Alien.

Überraschungen fehlen

Und so scheint es hier, als habe jemand für das Alien ein Buffet eingerichtet, so wehrlos scheinen die Menschen angesichts der Bedrohung. Dass Scott hier deutlich härtere Bilder zeigt als 1979, bringt leider keine Spannung in den Film: Der ganze Plot ist derart vorhersehbar und überraschungsfrei, dass selbst die Teile drei und vier gegen Alien Covenant deutlich gewinnen. Das gilt sowohl für die Überlebenden der Prometheus, als auch für die neuen Fleischlieferanten von der Covenant. Wer hier das geschehen nicht kommen sieht, hat noch nicht viele Horrorfilme gesehen.

Besonders ärgerlich ist es, dass Scott und sein Schreiberteam dem Zuschauer wie in Prometheus jede Menge Pseudo-Philosophie unterjubeln will und dem Androiden David haarsträubende Sätze in den Mund legt. Statt die zwei Stunden Filmzeit in einen guten Spannungsaufbau und überraschende Wendungen zu legen, plätschert der Film so vor sich hin, wird bisweilen recht unappetitlich und mäandert dann weiter in Richtung Finale. Und das ist ein ebenso schwacher letzter Akt wie in Prometheus, dazu sind hier viele nur allzu bekannte Momente der Alienreihe schlicht recycelt worden.

Nur Optik reicht nicht

Alien Covenant reiht sich damit in die große Gruppe der Filme ein, denen eine gute Geschichte offenkundig nicht mehr wichtig ist, solange man alle Zutaten eines potenziellen Blockbusters abgearbeitet hat. Wie fast jeder Ridley Scott-Film sieht auch dieser toll aus, aber dahinter steckt einfach zu wenig Inhalt, um die Bilder mit einer würdigen Geschichte zu füllen. Wenn dem Zuschauer die Schicksale der meisten Figuren völlig egal sind, obwohl sich Scott durchaus Zeit nimmt, sie einzuführen, dann läuft etwas falsch.

Denn die einzigen Emotionen, die dieser Film weckt, sind ungläubiges Staunen ob so viel Dummheit und unglücklichen Zufällen. Hier werden deutliche Parallelen zum ebenfalls wenig geglückten Life sichtbar. Nach diesem Film ist es noch viel trauriger, dass Blomkamp seine Ideen von einer Fortsetzung nach Teil zwei nicht verwirklichen darf. Schlimmer wäre das sicher auch nicht geworden. Immerhin ruderte Scott in einem Interview bereits zurück: Statt noch mindestens vier Filme will er nun doch nur noch einen oder zwei Alien-Streifen drehen. Bei der Qualität wäre schon einer zuviel.

Fazit:

Was waren das für Zeiten, als Alienfilme als Inbegriff für Angst im Kino galten! Das ist lange her und wird, soweit muss man sich hier aus dem Fenster lehnen, unter der Regie von Ridley Scott wohl auch nicht wiederkommen. Zwar erklärt er hier weitgehend die Herkunft der Aliens, aber das wird angesichts der ganzen Idioten in seinem Film kaum noch jemand wissen wollen. Es wird Zeit, dass Hollywood sich wieder darauf besinnt, gute Geschichten zu erzählen, statt Millionen Dollar nur für optische Schauwerte auszugeben. Zwar ist Alien Covenant ein wenig besser als Prometheus, aber die anderen Alienfilme sind deutlich stärker als diese letztlich müde Nummer. Lediglich komplette Neulinge werden hier möglicherweise leidlich unterhalten.

Alien Covenant startet am 18. Mai in den deutschen Kinos.

Alien Covenant

Die Crew untersucht die Nachricht, die sie von einem unbekannten Planeten aufgefangen hat.

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