Regisseur Gore Verbinski konnte zu Beginn seiner Karriere mit „Mäusejagd“ und „Ring“ überzeugen, setzte aber schon die Fortsetzungen seines Überraschungserfolges „Fluch der Karibik“ in den Sand – und hat seitdem nur mit dem Animationsfilm „Rango“ überzeugen können. Sein letzter Film „Lone Ranger“ fiel bei Kritikern und Publikum durch. Ist „A Cure For Wellness“, sein erster Film seit drei Jahren, wieder besser ausgefallen?

Keine Frage, der Horrorfilm hatte 2016 ein gutes Jahr: Werke wie „Lights Out“, „Don’t Breathe“ oder „The Conjuring 2“ fanden weltweit ihr Publikum. Und auch für 2017 sind etliche vielversprechende Filme am Start, der erste davon ist A Cure For Wellness. Denn Gore Verbinski gelang 2002 mit „Ring“ immerhin das vielleicht beste Remake eines japanischen Horrorfilms überhaupt. Ein echter Könner in Sachen Gruselfaktor also – zeigt er das auch im neuen Film?

A Cure For Wellness: Die Handlung

Der junge Lockhart (Dane deHaan) soll für seine Brokerfirma in ein edles Burg-Sanatorium in die Schweiz reisen, um den Vorstandsvorsitzenden Pembroke zurück nach New York zu holen – das Unternehmen braucht dessen Unterschrift für eine gewinnbringende Fusion. Doch der junge, ehrgeizige Lockhart muss bei seiner Ankunft feststellen, dass weder Personal noch Ärzte ein Interesse daran haben, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Tatsächlich scheint keiner der Patienten dort je wieder die Klinik verlassen zu wollen. Und nach einem Autounfall bei der Rückreise landet auch Lockhart als Patient in der Klinik, die Wasser als einzige Behandlungsmethode zu nutzen scheint. Obwohl Sanatoriumsleiter Dr. Volmer (Jason Isaacs) ihm die bestmögliche Behandlung verspricht, bleibt der junge Mann misstrauisch. Denn je mehr sich Lockhart mit der Geschichte der alten Burg beschäftigt, desto mehr beschleicht ihn die Gewissheit, dass in diesem Krankenhaus etwas anders mit den Patienten geschieht als ein Heilungsprozess. Auch Hannah (Mia Goth), die einzige junge Frau auf der Burg, scheint Teil des Geheimnisses zu sein …
 

Schöne Optik …

Wie man es bei Gore Verbinski erwarten darf, sieht der Film von vorne bis hinten gut aus. Ob das Äußere der Burg, das Innere im Stil der 20er Jahre oder das Dorf am Fuße des Berges – Verbinski erzeugt mit jedem Bild Atmosphäre. Dazu wiederholt er das Kunststück aus Ring, einen optisch spektakulären Autounfall mit Tier (da war es ein Pferd, hier ist es ein Hirsch) zu inszenieren. Auch aus seinen Schauspielern holt es das Maximum heraus, vor allem DeHaan als zorniger, junger Mann überzeugt. Leider ist das bereits alles, was man positiv an diesem Film bewerten kann.

… katastrophaler Inhalt

Alles beginnt mit dem Drehbuch. Das stammt erneut aus der Feder von Justin Haythe, der bereits Lone Ranger verbrochen hat, ist aber noch ein ganzes Stück schlechter. Mit jeder Minute, die der Film über quälend lange 146 Minuten läuft, wird die Story abstruser und alberner, am Ende hat man den Eindruck, eine Neuverfilmung eines der schwächeren Hammer-Filme aus den späten 50ern oder frühen 60ern zu sehen. Nur dass Hammer so eine Story in 80 Minuten erzählt hätte.

Auch die anfangs eingeführte Zivilisations- und Kapitalismuskritik verschwindet immer mehr, je länger der Film läuft. Schließlich entpuppen sich sämtliche Andeutungen als völlig bedeutungslos für die Handlung, auch zahlreiche andere Fäden, wie Lockharts scheinbar seherisch begabte Mutter, bleiben einfach auf halber Strecke liegen. Das Schlimmste ist jedoch, dass selbst diese hanebüchene Story in sich nicht logisch ist, sonderlich viele Ungereimtheiten aufweist. Einige Szenen, die optisch ihre Wirkung nicht verfehlen, sind inhaltlich komplett sinnlos und offenbar nur der Atmosphäre wegen im Film. 

Wer den einen oder anderen Horrorfilm in seinem Leben gesehen hat, dürfte spätestens nach einer Stunde ein recht klares Bild davon haben, was auf dieser Burg tatsächlich passiert, Verbinski und Haythe scheinen die einzigen zu sein, denen das nicht aufgefallen ist. Die Anspielung auf Thomas Manns „Zauberberg“, der zu Beginn noch Ähnlichkeit mit dem Plot aufweist, ist bei dieser Qualität blanker Hohn. Und von einem jungen Dario Argento, der auch spannende Filme ohne logische Story erzählen konnte, ist Verbinski weit entfernt.

Fazit:

Tolle Optik, anfangs bedrohliche Atmosphäre, gute Schauspieler: Das muss dem Zuschauer genügen, denn mehr bekommt er bei diesem viel zu langen und zunehmend langweiligen Film nicht. Das Drehbuch ist derart mies, dass auch kein Set-Designer oder Kameramann hier noch etwas retten kann. Der Plot wirkt, als habe ihn Edgar Allan Poes talentfreier Bruder in einem Versuch geschrieben, eine Gruselstory zu schaffen. Vielleicht sollte sich Verbinski für sein nächstes Projekt einen neuen Drehbuchautor suchen. Dieses filmische Mahl sieht lecker aus, schmeckt aber nach nichts. Schade um den guten Dane deHaan, für den man hoffen muss, dass sein zweiter Film dieses Jahr, die Comicverfilmung „Valerian“, besser ausfällt.

A Cure For Wellness startet am 23. Februar in den deutschen Kinos.

A Cure For Wellness

Verbinskis Film sieht durchgehend gut aus, hat aber sonst nicht viel zu bieten – schon gar keinen Horror.

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